Drama

Klara Viebig (1860–1952): Barbara Holzer. Schauspiel in drei Akten

Die Magd Barbara Holzer ist unehelich schwanger von Lorenz, dem Sohn ihres Herrn. Der Vater will seinen Sohn zu der Ehe mit einer reichen Bauerstochter zwingen, um seinen verschuldeten Hof zu retten. Barbara bringt ihr Kind in der sagenumwobenen Genoveva-Höhle zur Welt. Lorenz wagt es nicht, sich gegen seinen Vater durchzusetzen und versucht, Barbara das Kind abzunehmen. Sie bringt ihn darauf aus Notwehr um und wird festgenommen. (Annette Kliewer) 

Erscheinungsjahr: 1897

Begriff: Drama, Ehe, Heimatliteratur, soziale Konflikte, Uneheliche Mutterschaft

Ilse Frapan (1849–1908): Die Retter der Moral.

Ilse Frapan treibt in diesem Drama die Kritik an der patriarchalen Logik in Gesetz, Politik und Gesellschaft auf die Spitze. Die „Retter der Moral“ sind eigentlich Männer ohne Moral, die vor nichts zurückschrecken. Der Text nimmt einen Hamburger Polizeiarzt in den Fokus. Erst verführt er eine verheiratete Frau, die stirbt, als sie ihn bei der Polizei erkennt. Danach treibt er seine eigene Tochter in die Prostitution, um mit ihr zu schlafen. Das Mädchen ertränkt sich, ihre Schwester bringt den Vater bei einem Maskenfest um. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1905

Begriff: Doppelmoral, Drama, Naturalismus, Politik, Prostitution, Sexualität

Aimée Duc (Pseudonym für Minna Wettstein, geb. Adelt, 1867–1908?): Sind es Frauen? Roman über das dritte Geschlecht

Der Roman stellt das lesbische Milieu in Zürich und München um die Jahrhundertwende um 1900 dar: Die Russin Minotschka hat eine lesbische Beziehung zu der Deutschen Marta. Diese verlässt sie plötzlich, um zu heiraten. Nach einigen Jahren führt sie der Zufall wieder zusammen und Marta kehrt enttäuscht von der Ehe zu Minotschka zurück. Der Roman ist sowohl dramatische Liebesgeschichte wie politisches Pamphlet für die weibliche Homosexualität. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1901

Begriff: Drama, Ehe, Geschichte, Homosexualität, Jahrhundertwende, Lesbische Liebe, Liebe, Pseudonym, Roman, Sexualität

Juliane Dery (1864–1899): D’Schand. Volksstück in sechs Bildern.

Marie, die Tochter eines Schlossermeisters, wird von dem reichen Georg verführt und bekommt ein Kind von ihm. Eigentlich sollte Georg für seinen Freund, den Kunstschlosser Urban, um sie werben. Urban will sie nun nicht mehr heiraten, weil sie uneheliche Mutter ist. Erst als das Kind stirbt, ist ihre Ehre wiederhergestellt („ein tot’s Kind schreit net“). Das naturalistische Dialektstück verdeutlicht die Situation der unehelichen Mutter, die trotz Liebe nicht geheiratet werden kann. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1894

Begriff: Dialekt, Drama, Ehe, Kunst, Liebe, Naturalismus, Sexualität, Uneheliche Mutterschaft

Anna Croissant-Rust (1860–1943): Der Bua. Oberbayrisches Volksdrama in 4 Akten.

In diesem naturalistischen Dialektdrama kritisiert die Autorin, was sich Frauen von einem Mann gefallen lassen: Igreis Adoptivmutter Traudl möchte ihm all ihren Besitz vermachen, obwohl er sich ihr gegenüber oft danebenbenimmt. Die wohlhabende Bauerntochter Resei und die arme Nanei sind beide schwanger von ihm, er möchte sie beide um sich haben. Als Igrei Traudl erschlägt, die ihn kritisiert, ersticht ihn sein Adoptivvater. Die Autorin gehörte zur Münchner Naturalistenszene und schildert hier das bäurische Milieu als gewaltbestimmt und patriarchal. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1897

Begriff: Bauern-Milieu, Bayern, Dialekt, Drama, Gewalt, Naturalismus, Patriarchat

Caroline von Wolzogen (1763–1847): Der leukadische Fels

Das Dramenfragment in Blankversen erschien anonym in Schillers Neuer Thalia. Die Protagonistin Lidia ist zwar verliebt, doch soll sie eine von ihrem Vater initiierte Ehe mit einem anderen Mann eingehen. Dieser Eheschließung sich widersetzend und in dem falschen Glauben, dass ihr Geliebter ihre Gefühle nicht erwidert, will sie ihr gebrochenes Herz – wie dem antiken Stoff zufolge Sappho – durch den Sprung vom Felsen Leukade erlösen. Noch bevor sie dies in die Tat umsetzen kann, bricht der Dramentext ab, über dessen Ausgang sich die Autorin nie äußerte. Reich an intertextuellen Verweisen auf antike wie zeitgenössische Vorlagen stellt der Text eines der wenigen klassizistischen Dramen von Frauen aus der Zeit der Weimarer Klassik dar. (Delf Lützen)

Erscheinungsjahr: 1792

Begriff: anonym, Antikenrezeption, Drama, Ehe, Fragment, Liebe, Liebesbeziehung, Weimarer Klassik

Ruth Bré (Pseudonym für Elisabeth Bouness, auch Bouneß oder Bonnes, alias Elisabeth Michael, 1862–1910): Die Frau an der Jahrhundertwende

Das Drama ist zu einer Jahrhundertfeier im Provinzial-Lehrerinnen-Verein geschrieben worden: Das personifizierte 19. Jahrhundert übergibt dem 20. Jahrhundert die Pflicht, sich besser für das Wohl der Frauen einzusetzen, als es selbst es gekonnt hat. Den „alten Frauen“ des 19. Jahrhunderts (dem auf den Mann fixierte Mädchen, der überarbeiteten Hausfrau oder der alten Jungfer) stehen die „neuen Frauen“ des 20. Jahrhunderts gegenüber (der Arbeiterin, der Lehrerin und der Studentin). (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1900

Begriff: Arbeit, Drama, Ehe, Emanzipation, Jahrhundertwende, Provinz, Pseudonym, Utopie

Alexandre Kum’a Ndume III (*1946): Ach Kamerun! Unsere alte deutsche Kolonie. Ein Dokumentarstück

Das Drama beginnt 1868 mit den erfolgreichen Bemühungen einer deutschen Firma, den Duala König Bell davon zu überzeugen, ihnen eine Handelskonzession zu erteilen – der erste Schritt zur deutschen Kolonisierung Kameruns. Duala Manga ruft zur Rebellion auf und wird am Ende des Stücks zum Tode verurteilt. Koloniale Dokumente im Anhang belegen die historischen Ereignisse. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 1970 (verfasst)/2005 (publiziert)

Begriff: Antikolonialismus, Drama, Kolonialismus, Rassismus, Schwarze deutsche Literatur, Tod

Anna Gmeyner (1902–1991): Automatenbüfett

Drama in drei Akten mit Vor- und Nachspiel, das sich durch seinen konventionellen Dramenbau von Gmeyners ersten beiden Stücken unterscheidet. Schauplatz ist das titelgebende Automatenbüfett, in dem sich der Alltag des Mikrokosmos Seebrückens abspielt. Die Ankunft einer Fremden, Eva, und die Idee Herrn Adams, die örtlichen Brutteiche in ertragreiche Weidenteiche umzufunktionieren, bringen die gewohnte Ordnung der Kleinstadt aus dem Takt. Im Wechselspiel von Traditionsbezügen und -brüchen werden Themen wie die Ökonomisierung von Beziehungen, die Ausbeutung weiblicher Körper und Ideologisierungsprozesse verhandelt. (Johanna Baumgardt)

Erscheinungsjahr: 1932

Begriff: Ökonomie, Drama, Körper, Weimarer Republik

Lu Märten (1879–1970): Torso. Das Buch eines Kindes

Der Text schildert das von Krankheit und Tod gezeichnete Aufwachsen eines Proletarier-Mädchens, gefolgt von Episoden ihrer politischen Radikalisierung als Erwachsene. Ist der erste Teil stilistisch und perspektivisch in der ersten Person des Mädchens und d.i. der Form des Geständnisromans geschrieben, übernimmt anschließend eine polyperspektivische, non-lineare Erzählweise (mit Elementen des Dramas und des Märchens). Märten betreibt eine regelrechte Auflösung der Form, um die Fetischisierung der Arbeiter:innenbiografie aufzulösen. Diese Instabilität der Form korreliert mit derjenigen der vergeschlechtlichten Subjektivität, die im Zentrum des Buches steht und deren formale Gestaltung mit utopischem Potenzial versehen wird. (Marius Reisener)

Erscheinungsjahr: 1909

Begriff: Adoleszenz, Arbeit, Armut, Drama, Ehe, Geschlechterrollenkritik, Krankheit, Märchen, Roman, Tod

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