Mutterschaft

Klara Viebig (1860–1952): Es lebe die Kunst!

Elisabeth Reinharz kommt vom Land nach Berlin und findet dort zunächst Erfolg. Als sie aber einen biederen Buchhalter heiratet, versagt sie und zweifelt selbst an ihrem Können. Sie erstarrt und entdeckt ihre Gefühle erst, als ihr Kind erkrankt, das sie fast der Kunst geopfert hätte. Völlige Gesundung erlangt sie erst wieder, als sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Der Roman stellt die Doppelrolle der Frau zwischen Haushalt/Kindererziehung und Beruf/Kunst eindrücklich dar, kommt aber zu einer konservativen Bewertung der eigenen Tätigkeit der Autorin. (Annette Kliewer) 

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Alter, Beruf, Berufstätigkeit der Frau, Erziehung, Heimat, Heimatliteratur, Kritik an der Stadt, Kunst, Mutterschaft, Roman

Margarethe Elisabeth Milow (1748–1794): Mein Leben. Ein Vermächtnis für meinen Mann und meine Kinder

In den Jahren 1778 bis 1794 sukzessive entstandene autobiografische Schrift der Hamburger Kaufmannstochter Margarethe Elisabeth Milow geb. Hudtwalcker. Der formal heterogene Text rekurriert einerseits auf Modelle der Bekehrungsautobiografie sowie der Chronik und des Hausbuches, nimmt andererseits aber auch Impulse aus der Romanliteratur der Zeit auf (insb. Briefroman). U.a. schildert Milow spezifisch weibliche Erfahrungen wie Niederkünfte und eine Brustkrebsoperation. (Vera Viehöver)

Erscheinungsjahr: 1794/1987; erw. Neuedition 1993

Begriff: Autobiografie, autobiografisch, Bekehrungsautobiografie, Brief, Briefroman, Brustkrebs, Chronik, Ehe, Hamburg, Hausbuch, Mutterschaft, Protestantismus, Religion, Roman

Adele Gerhard (1868–1956): Die Geschichte der Antonie van Heese. 

In diesem Roman wächst Antonie sin einem gutbürgerlichen Elternhaus auf. Sie heiratet einen Professor, mit dem sie bald sozialistische Ideen teilt. Sie wünscht sich ein Kind, ist aber nicht bereit, alles für das Kind aufzugeben. Ihr Mann stirbt, sie übernimmt seine Aufgaben und kämpft engagiert an der Seite der Arbeiter, reibt sich aber im Kampf so auf, dass sie schwer krank wird. Im Urlaub lernt sie einen jüngeren Psychologieprofessor lieben, der eher der Bohème zuzurechnen ist, die sie bislang moralisch verachtete. Antonie durchläuft verschiedene Phasen, ständig auf der Suche nach sich selbst. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1906

Begriff: Arbeit, Berufstätigkeit, Ehe, Geschichte, Liebe, Mutterschaft, politischer Aktivismus, Roman, Selbstfindung

Ruth Bré (Pseudonym für Elisabeth Bouness, auch Bouneß oder Bonnes, alias Elisabeth Michael, 1862–1910): Ecce mater. (Siehe eine Mutter!)

Helene ist Grundschullehrerin und wird schwanger. Deshalb muss sie ihre Arbeit aufgeben. Statt sich mit einem Kollegen zu verheiraten, entscheidet sie sich für ein Leben als uneheliche Mutter und Journalistin. Der Roman ist ein Plädoyer für die freie Ehe und Mutterschaft im Sinne einer Wiedereinführung des „Mutterrechts“, wie es Bré im Matriarchat verwirklicht sieht. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1905

Begriff: Arbeit, Berufstätigkeit, Ehe, Mutterrecht, Mutterschaft, Pseudonym, Roman

Helene Böhlau (verh. al Raschid Bey, 1856–1940): Der Rangierbahnhof

Die Malerin Olly kämpft gegen das klassische Frauenideal an, ihr Mann Gastelmeier, ebenfalls Maler, doch mit traditionellem Kunstverständnis, sehnt sich nach einem traditionellen Familienidyll. Olly fürchtet sich vor einem Kind, das sie bei ihrer künstlerischen Betätigung stören könnte. Der Roman spielt im Münchner Bohème-Milieu der Jahrhundertwende und war einer der großen Erfolge der frauenbewegten Autorin. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1896

Begriff: Beruf, Ehe, Familie, Jahrhundertwende, Kunst, Mutterschaft, Roman, Selbstverwirklichung

Anna Ovena Hoyers (1584–1655): Gespräch eines Kindes mit seiner Mutter von dem Wege zur wahrer Gottseligkeit

Wahrscheinlich erster deutschsprachig im Druck vorliegender Dialog zwischen Kind und Mutter in der seit dem Mittelalter geläufigen kinder- und jugendliterarischen Tradition der didaktischen Lehrgespräche, praktische Anleitung zum christlichen Leben, wendet sich scharf gegen kirchliche und weltliche Obrigkeit, in Einklang mit mystischen, zeitgenössisch als Häresie verfolgten Glaubensrichtungen, stilistisch außerhalb der in Opitz’ Buch der deutschen Poeterey (1624) kondensierten Konzeption vermeintlich idealtypischer Barocklyrik stehend, mehrfach neu aufgelegt, zuletzt 1720 als Prosafassung ohne Nennung der Autorin. (Charlotte Coch)

Erscheinungsjahr: 1628 Erstdruck (o.Ort; o.Verl.;1650 wiederveröffentlicht in den Poemata; 1698 und 1720 Prosafassungen ohne Verf.nennung

Begriff: Alter, Barock, Dialog, Ehe, Gender, Gespräch, Gott, Kinderperspektive, Lyrik, Mutterschaft, Mystik, Prosa, Witwenschaft

Marianne Fritz (1948–2007): Die Schwerkraft der Verhältnisse

Berta Schrei wird an ihrem 40. Geburtstag – fünf Jahre nachdem sie ihre Kinder ermordet hat – von ihrem Ex-Mann und seiner neuen Frau in der Heilanstalt besucht. In Analepsen wird von ihrer Isolation in der Nachkriegszeit erzählt. Fritz‘ Debüt und erster Teil ihres Romanzyklus Die Festung wurde 1978 mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet und 2021 fürs Theater adaptiert. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 1978

Begriff: 2. Weltkrieg, Debüt, Geburt, Kindsmord, Mutterschaft, Nachkriegszeit, Roman, Romanzyklus, Theater

Irmgard Keun (1905–1982): Gilgi – eine von uns

Gilgi, an der exemplarisch weibliche Rollenschemata verhandelt werden, sucht (nachdem sie erfahren hat, dass sie adoptiert ist) nach ihrer leiblichen Mutter. Dabei verliebt sie sich, wird schwanger und geht schließlich nach Berlin. Als kanonischer Text der Neuen Sachlichkeit angeführt, wurden inzwischen auch die expressionistischen Darstellungsverfahren herausgearbeitet. (Katharina Klanke)

Erscheinungsjahr: 1931

Begriff: Arbeit, Debüt, expressionistisch, Mutterschaft, Neue Frau, Neue Sachlichkeit, Roman, Weiblichkeit, Weimarer Republik

Maria Benemann (1887–1980): Wandlungen

Gedichtsammlung, 1915 im Verlag der Weißen Bücher erschienen; enthält zudem das Bühnenspiel „Du sollst“. Neben expressionistisch angehauchten Auseinandersetzungen mit dem 1. Weltkrieg gibt es überwiegend ‚leise‘ Reflektionen auf Themen wie den Verlust geliebter Menschen, Frauenbilder und -schicksale sowie Einsamkeit und Religiosität. (Laura Basten)

Erscheinungsjahr: 1915

Begriff: (weibliche) Autorschaft, 1. Weltkrieg, expressionistisch, Lyrik, Menschen, Mutterschaft, Religion, Tod

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