Beruf

Klara Viebig (1860–1952): Es lebe die Kunst!

Elisabeth Reinharz kommt vom Land nach Berlin und findet dort zunächst Erfolg. Als sie aber einen biederen Buchhalter heiratet, versagt sie und zweifelt selbst an ihrem Können. Sie erstarrt und entdeckt ihre Gefühle erst, als ihr Kind erkrankt, das sie fast der Kunst geopfert hätte. Völlige Gesundung erlangt sie erst wieder, als sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Der Roman stellt die Doppelrolle der Frau zwischen Haushalt/Kindererziehung und Beruf/Kunst eindrücklich dar, kommt aber zu einer konservativen Bewertung der eigenen Tätigkeit der Autorin. (Annette Kliewer) 

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Alter, Beruf, Berufstätigkeit der Frau, Erziehung, Heimat, Heimatliteratur, Kritik an der Stadt, Kunst, Mutterschaft, Roman

Ilse Frapan (1849–1908): In der Stille. Novellen und Skizzen. 

Zwei Novellen zeigen Probleme von bürgerlichen Frauen um 1900: In „Sie“ wird Sophie Witwe und freut sich, endlich frei zu sein von ihrem tyrannischen, antifeministischen Mann. Sie findet einen Brief seiner Pariser Mätresse, die ihn um Geld bitte. Sophie schickt ihr das Geld, zusammen mit einer Abrechnung gegen ihren verstorbenen Mann und appelliert so an die weibliche Solidarität. In „Abgründe“ geht es um die berühmte Schauspielerin Senta: Sie liebt Rudolf, der zwar als sanfter Mann auftritt, sie aber in der Ehe von ihrem Beruf „erlösen“ will. Sie will ihn verlassen, um wieder frei und selbständig zu sein. Schließlich stürzt er sich in einen Abgrund, weil er glaubt, dass sie ihn nicht mehr liebe. Sie lebt weiter frei. Beide Texte zeigen starke Frauen, denen es gelingt, sich gegen die Erwartungen ihrer Umwelt durchzusetzen.  (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1897

Begriff: Beruf, Berufstätigkeit, Brief, Ehe, Geld, Jahrhundertwende, Liebe, Naturalismus, Novelle, Novellen

Ilse Frapan (1849–1908): Wir Frauen haben kein Vaterland. Monologe einer Fledermaus. 

In dieser Erzählung geht die Rechtsstudentin Lilie Halmschlag aus einer reichen Hamburger Familie nach Zürich, weil sie nur dort Jura studieren kann. Sie möchte Anwältin für Frauen werden. Mehr und mehr leidet sie aber unter Geldsorgen, nachdem ihre Stiefmutter sie nicht mehr von ihrem Haushaltsgeld finanzieren kann. Schließlich beendet Lilie das Studium und geht in der Fabrik arbeiten. Frapan zeigt, welche Probleme die ersten Studentinnen antrieben: Finanzielle Nöte, Ablehnung durch die Familie und die Gesellschaft, Selbstzweifel waren meist stärker als die Aufbruchsfantasien. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Arbeit, Beruf, Erzählung, Familie, Frauenstudium, Geld, Naturalismus, Studium

Adele Gerhard (1868–1956): Pilgerfahrt.

Magdalena studiert gegen den Willen ihres Vater Volkswirtschaft in Zürich. Sie entdeckt aber, dass sie als Schriftstellerin glücklicher ist. Sie reist nach Italien, wo sie sich in Ernst Rumann verliebt. Sie erwartet ein Kind, möchte ihn aber nicht heiraten, sondern ihren Sohn alleine aufziehen. Gerhard stellt in diesem Roman eine für die Jahrhundertwende radikale Frau dar, die sich gegen die Erwartungen der Gesellschaft stellt. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1902

Begriff: Beruf, Ehe, Jahrhundertwende, Roman, Studium, Uneheliche Mutterschaft

Marieluise Fleißer (1901–1974): Mehlreisende Frieda Geier. Roman vom Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen

Ausgehend von autobiografischen Erfahrungen beschreibt die Autorin die Schwierigkeiten von Frauen, ihre Berufstätigkeit mit ihren privaten Beziehungen vereinbaren zu können: Frieda Geier, eine reisende Vertreterin und emanzipierte Frau, verliebt sich in Gust, einen reaktionären Tabakwarenhändler, der sie als Verkäuferin in seinem Geschäft gut brauchen könnte und sie zur Heirat drängen will. Im Umfeld der kleinstädtischen Borniertheit wird ihre Beziehung bald zum Angriffsziel faschistoider Ausgrenzungswünsche. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1931

Begriff: „Neue Frau“, autobiografisch, Beruf, Berufstätigkeit, Ehe, Liebe, Provinz, Roman, Weibliche Berufstätigkeit, Weimarer Republik

Helene Böhlau (verh. al Raschid Bey, 1856–1940): Der Rangierbahnhof

Die Malerin Olly kämpft gegen das klassische Frauenideal an, ihr Mann Gastelmeier, ebenfalls Maler, doch mit traditionellem Kunstverständnis, sehnt sich nach einem traditionellen Familienidyll. Olly fürchtet sich vor einem Kind, das sie bei ihrer künstlerischen Betätigung stören könnte. Der Roman spielt im Münchner Bohème-Milieu der Jahrhundertwende und war einer der großen Erfolge der frauenbewegten Autorin. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1896

Begriff: Beruf, Ehe, Familie, Jahrhundertwende, Kunst, Mutterschaft, Roman, Selbstverwirklichung

Nach oben scrollen