Familie

Caroline de la Motte Fouqué (geb. von Briest, verheiratete von Rochow, wiederverheiratete de la Motte Fouqué, 1773–1831): Magie der Natur. Eine Revolutionsgeschichte 

Der komplex erzählte zeitdiagnostische Roman verbindet Fragen des sozialen Zusammenhalts und der Geschlechterbestimmung mit geschichtsphilosophischen Positionen. Die Französische Revolution dient Fouqué als Ausgangspunkt, um am Leitfaden des Lebens (und Liebens) einer adeligen Familie, die aus Frankreich fliehen muss, Stellung zu Problembereichen der Stabilität einer ‚natürlichen‘ Ordnung trotz staatlicher und gesamtgesellschaftlicher Umbrüche zu beziehen. Der Text fußt auf romantischen Wissensdiskursen und bahnt mit seinen klarsichtig-idealen Protagonistinnen gleichzeitig einer realistischen Erzählpraxis den Weg. (Frederike Middelhoff) 

Erscheinungsjahr: 1812

Begriff: (romantische) Liebe, Adel, Arbeit, Ehe, Exil, Familie, Familienroman, Fluchtmigration, Französisch, Französische Revolution, Gender, Geschichte, historischer Roman, Liebe, Magnetismus, realistisch, Revolution, Roman, Romantik

Ilse Frapan (1849–1908): Wir Frauen haben kein Vaterland. Monologe einer Fledermaus. 

In dieser Erzählung geht die Rechtsstudentin Lilie Halmschlag aus einer reichen Hamburger Familie nach Zürich, weil sie nur dort Jura studieren kann. Sie möchte Anwältin für Frauen werden. Mehr und mehr leidet sie aber unter Geldsorgen, nachdem ihre Stiefmutter sie nicht mehr von ihrem Haushaltsgeld finanzieren kann. Schließlich beendet Lilie das Studium und geht in der Fabrik arbeiten. Frapan zeigt, welche Probleme die ersten Studentinnen antrieben: Finanzielle Nöte, Ablehnung durch die Familie und die Gesellschaft, Selbstzweifel waren meist stärker als die Aufbruchsfantasien. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Arbeit, Beruf, Erzählung, Familie, Frauenstudium, Geld, Naturalismus, Studium

Claire Goll (1890–1977): Ein Mensch ertrinkt. 

Dieser Roman handelt von Marie, einem Hausmädchen einer vornehmen Pariser Familie. Marie hat ein Verhältnis mit dem Schwarzen Chauffeur einer Nachbarfamilie und bekommt ein Kind von ihm. Deshalb verliert sie ihre Stelle und da sie als uneheliche Mutter keine Arbeit mehr findet, verhungert das Kind. Claire Goll ist oft nur noch als Muse ihres Mannes Yvan Goll bekannt, war aber auch eine erfolgreiche Schriftstellerin. (Annette Kliewer)

 

Erscheinungsjahr: 1931

Begriff: Arbeit, Ehe, Familie, Hunger, Neue Sachlichkeit, Rassismus, Roman, Uneheliche Mutterschaft

Ottilie Wildermuth (1817–1877): Bilder und Geschichten aus Schwaben (2 Bde.)

Dieses Werk machte Ottilie Wildermuth im ganzen deutschsprachigen Raum berühmt. Ihre schonungslos ehrlichen Schilderungen aus dem Alltag des württembergischen Bildungsbürgertums geben bis heute wertvolle und amüsante Einblicke in das kleinstädtische Leben Alt-Württembergs. Vielfach beschrieb Wildermuth das Leben ihrer Vorfahrinnen, indem sie auf tradierte Familienerzählungen zurückgriff. Zwei Zyklen aus dem Werk, Schwäbische Pfarrhäuser und Hagestolze, wurden 1908 sogar in „Reclams Universalbibliothek“ aufgenommen. (Jonathan Schilling)

Erscheinungsjahr: 1852 (Bd. 1), 1854 (Bd. 2)

Begriff: Bürgertum, Bestseller, Bildung, Bildungsbürgertum, Dorfgeschichte, Erzählung, Erzählungen, Familie, Genrebilder, Geschichte, Ständegesellschaft, Württemberg

Amalie von Imhoff (später von Helvig, 1776–1831): Die Schwestern von Lesbos

Das zuerst in Schillers Musen-Almanach auf das Jahr 1800 kryptonym veröffentlichte, 1801 bei August Hermann d. J. eigenständig erschienene und mehrfach nachgedruckte Versepos in Hexametern nimmt das antike Lesbos zum Schauplatz einer weiblichen Utopie. Dort darf sich stets nur die älteste Tochter einen Ehemann erwählen, erben und als einzige eine Mitgift in die Ehe einbringen, wohingegen Söhne häufig die Insel verlassen. Hiermit bricht die in ein Liebesdreieck verstrickte Protagonistin, entsagt der eigenen Liebe und überlässt ihrer jüngeren Schwester ihren Verlobten. Das Werk wurde von Goethe und Schiller maßgeblich für ihre Debatte über den Dilettantismus verwendet. (Delf Lützen)

Erscheinungsjahr: 1799

Begriff: Ehe, Familie, Gesellschaftliche Normen, Idylle, Kryptonym, Liebe, Liebesbeziehung, Utopie, Versepos, Weimarer Klassik

Helene Böhlau (verh. al Raschid Bey, 1856–1940): Der Rangierbahnhof

Die Malerin Olly kämpft gegen das klassische Frauenideal an, ihr Mann Gastelmeier, ebenfalls Maler, doch mit traditionellem Kunstverständnis, sehnt sich nach einem traditionellen Familienidyll. Olly fürchtet sich vor einem Kind, das sie bei ihrer künstlerischen Betätigung stören könnte. Der Roman spielt im Münchner Bohème-Milieu der Jahrhundertwende und war einer der großen Erfolge der frauenbewegten Autorin. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1896

Begriff: Beruf, Ehe, Familie, Jahrhundertwende, Kunst, Mutterschaft, Roman, Selbstverwirklichung

Therese Huber (geb. Heyne, verwitwete Forster, 1764–1829): Die Familie Seldorf. Eine Geschichte von L. F. Huber. 2 Bde.

Therese Hubers in Frankreich spielender Roman, der zunächst unter dem Namen ihres Ehemannes erschien, verbindet eine Familiengeschichte mit Ereignissen der Französischen Revolution. Die Protagonistin Sara Seldorf durchläuft eine Entwicklung von der verfolgten Unschuld zur Kämpferin für Freiheit und Gleichheit; als Soldat verkleidet schließt sie sich der Revolutionsarmee an. Der Roman reflektiert kritisch auf Geschlechterrollen und etablierte Auffassungen von Privatheit und Öffentlichkeit, Liebe und Freundschaft, Politik und Moral sowie auf die zeitgenössische politische Situation. (Kathrin Schödel)

Erscheinungsjahr: 1795

Begriff: Ehe, Familie, Französisch, Freiheit, Geschichte, Geschlechterrollen, Geschlechterrollenkritik, Liebe, Politik, Revolution, Roman

Irena Brežná (*1950): Die undankbare Fremde

Eine Jugendliche flieht mit ihrer Familie aus einer sozialistischen Diktatur in die Schweiz. Ihre Beschreibungen der Schweizer:innen wechseln sich mit Passagen ihres erwachsenen Ichs, die als Dolmetscherin arbeitet, ab. Kulturelle und Genderstereotypen wie auch die Frage nach kultureller Hybridität sind zentral. Der Roman wurde 2012 mit dem Eidgenössischen Literaturpreis ausgezeichnet. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 2012

Begriff: Übersetzung, Arbeit, Diktatur, Familie, Flucht, Gender, kulturelle Hybridität, Mehrsprachigkeit, Migration, Roman, Stereotype

Herta Müller (*1953): Niederungen

Erzählband, der Müllers noch in Rumänien erschienenen kurzen Texte versammelt. Oft aus der Kinderperspektive dargestellt, wird das banatschwäbische Dorf als allzu enge Welt gezeichnet, in der der „deutsche Frosch” zur Last wird. Dabei zeigt sich bereits Müllers Metaphernreichtum als auch der nüchterne Blick (etwa in “Das schwäbische Bad”) auf Körper, festgefahrene Familienkonstellationen und Machtverhältnisse. (Martina Wernli)

Erscheinungsjahr: 1982/1984/2010

Begriff: Banatschwaben, deutsche Minderheit, Diktatur, Erzählungen, Familie, Körper, Kinderperspektive

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