Visionsliteratur

Gertrud von Helfta (1256–1301/2): Gesandter der göttlichen Liebe

Die im Kloster Helfta wirkende Gertrud verfasste Buch II des mittellat. Legatus Divinae Pietatis (‚Gesandter der göttlichen Liebe‘) eigenhändig, während die anderen vier Bücher von einer Mitschwester – Bücher III-V vermutlich auch nach Diktat durch Gertrud ‒ aufgeschrieben wurden. Der Text enthält Berichte über Gertruds mystische Visionserfahrungen, Dialoge mit Gott sowie Reflexionen besonders über die göttliche Liebe, mit allgegenwärtigem Bezug zum Motiv des Herzens. Übersetzung ins Deutsche im 15. Jh. (Botte der götlichen miltekeit). (Julia Rüthemann)

Erscheinungsjahr: entstanden 1289/1300-01; lat. Druckausgabe 1536 (durch den Kartäuser Johannes von Lansperg)

Begriff: (weibliche) Autorschaft, Frauenmystik, göttliche Liebe, Gertrud die Große, Herz, Herz-Jesu-Verehrung, Kloster Helfta, Mehrautorenschaft, Visionsliteratur

Mechthild von Hackeborn (1241–1299): Buch der besonderen Gnade

Der lateinische Liber specialis gratiae dokumentiert von zwei Mitschwestern geschriebene (brautmystische) Visionen und Offenbarungen der Kantorin und Novizenlehrerin Mechthild von Hackeborn aus dem Zisterzienserkloster Helfta. Das Buch enthält je nach Fassung zwischen 5 oder 7 Teile, die je einzelne thematische Schwerpunkte setzen (Gotteslob, Tod und Jenseits). Bezüge zur monastischen Liturgie von Messe und Stundengebet sind dabei zentral. Der Text ist in Mittelalter und Früher Neuzeit weit verbreitet und ein wichtiger Bezugspunkt für die Herz-Jesu-Verehrung. (Caroline Emmelius)

Erscheinungsjahr: in Helfta vor 1300 entstanden; die ältesten Abschriften datieren in das 14. Jh.

Begriff: Brautmystik, Frauenmystik, Gotteslob, Herz-Jesu-Verehrung, Jenseits, Kloster, kollektive Autorschaft, Kommentar, Liturgie, Tod, Visionsliteratur

Mechthild von Magdeburg (1207/10–1282): Das fließende Licht der Gottheit

Mechthild schreibt über mehrere Jahrzehnte hinweg an ihrem Buch. Auf göttlichen Schreibbefehl hin und abgesichert durch ein kirchliches Imprimatur verschriftlicht sie ihre Visionen und Gotteserfahrungen zu Ehren Gottes und zur Belehrung der Menschen in der Volkssprache. Der Text vereint lyrische und prosaische Elemente mit Formen von Gebet, Traktat, Liebesklage, Streitgedicht uvm. Inhalt ist die Geschichte einer Seele in Beziehung zu Gott. (Pia Selmayr)

Erscheinungsjahr: ca. 2. Hälfte 13. Jh. in mitteldt. mit niederdt. Spuren; parallel Übersetzung ins Lat.; der einzig vollständige dt. Textzeuge stammt aus Basel und datiert auf die Mitte des 14. Jhs.

Begriff: (weibliche) Autorschaft, Dialog, Frauenmystik, Geschichte, Gott, Liebe, Lyrik, Menschen, Prosa, Religion, Sprache, Visionsliteratur

Elisabeth von Schönau (1129–1164): Liber Visionum (Visionsbuch)

Das Visionsbuch Elisabeths von Schönau, die noch bis ins 19. Jahrhundert deutlich bekannter war als Hildegard von Bingen (mit der sie in Briefkontakt stand), gehört zu den wegbereitenden Texten der Frauenmystik. Inwiefern Elisabeth als Verfasserin zu gelten hat und nicht etwa ihr Bruder Ekbert, der die Visionen ins Lateinische übersetzt und aufzeichnet, wird in der Forschung diskutiert; ihre maßgebliche Beteiligung am Visionsbuch steht dabei jedoch weitgehend außer Frage. (Maximilian Wick)

Erscheinungsjahr: 1152/1155

Begriff: (weibliche) Autorschaft, Übersetzung, Brief, Ehe, Frauenmystik, Jenseits, Mehrautorenschaft, Mystik, Religion, Visionsliteratur

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