Exil

Irmgard Keun (1905–1982): D-Zug dritter Klasse

Der am wenigsten beachtete Exil-Roman Keuns lässt in einem Nachtzug sieben Figuren aufeinandertreffen und erzählt nacheinander deren sich kreuzende Lebenswege. Der Text reflektiert zentral Rollenbilder und -Klischees. Dargestellt werden die mit Weiblichkeit verbundenen Zwänge und Möglichkeiten, diesen durch Täuschung (Lügen, Finten) zu entkommen. Dem gegenüber steht die durch Alkohol verstärkte Gewalt toxischer Männlichkeit und deren fatale Folgen. Düstere Kulisse der Handlung ist die politische Realität in Nazi-Deutschland. (Sebastian Schönbeck)

Erscheinungsjahr: 1938

Begriff: Alkohol, Exil, Gewalt, Männlichkeit, Nationalsozialismus, Rollenbilder, Weiblichkeit

Caroline de la Motte Fouqué (geb. von Briest, verheiratete von Rochow, wiederverheiratete de la Motte Fouqué, 1773–1831): Magie der Natur. Eine Revolutionsgeschichte 

Der komplex erzählte zeitdiagnostische Roman verbindet Fragen des sozialen Zusammenhalts und der Geschlechterbestimmung mit geschichtsphilosophischen Positionen. Die Französische Revolution dient Fouqué als Ausgangspunkt, um am Leitfaden des Lebens (und Liebens) einer adeligen Familie, die aus Frankreich fliehen muss, Stellung zu Problembereichen der Stabilität einer ‚natürlichen‘ Ordnung trotz staatlicher und gesamtgesellschaftlicher Umbrüche zu beziehen. Der Text fußt auf romantischen Wissensdiskursen und bahnt mit seinen klarsichtig-idealen Protagonistinnen gleichzeitig einer realistischen Erzählpraxis den Weg. (Frederike Middelhoff) 

Erscheinungsjahr: 1812

Begriff: (romantische) Liebe, Adel, Arbeit, Ehe, Exil, Familie, Familienroman, Fluchtmigration, Französisch, Französische Revolution, Gender, Geschichte, historischer Roman, Liebe, Magnetismus, realistisch, Revolution, Roman, Romantik

Veza Canetti (geb. Venetiana Taubner-Calderon, 1897–1963): Die Schildkröten

Der autobiografische Bezüge aufweisende Exilroman behandelt das Schicksal des jüdischen Ehepaars Eva und Andreas Kain nach dem Anschluss Österreichs. Vor der Drohkulisse antisemitischer Ausschreitungen sind der Umgang mit dem Verlust der Heimat und die Bewahrung menschlicher Würde zentrale Themen. Zwischen szenischen Passagen und Anklängen an die chassidische Erzähltradition changierend, wirft der Roman die Frage nach adäquaten Erzähl- und Schreibstrategien, in Zeiten von Verfolgung und Flucht, auf. (Johanna Baumgardt)

Erscheinungsjahr: 1938/1999

Begriff: Antisemitismus, autobiografisch, Ehe, Exil, Flucht, Heimat, Nationalsozialismus, Posthum, Roman

Else Lasker-Schüler (1869–1945): Das Hebräerland

Autofiktionaler Reisebericht, ausgestattet mit Zeichnungen von Lasker-Schüler, der auf ihre Palästinareisen während ihres Schweizer Exils zurückgeht. Die episodische Erzählweise kombiniert Erlebnisse in Palästina mit Kindheitserinnerungen und Anspielungen auf eigene Werke und Varietéstücke. Leitgedanke ist ein biblisch und orientalistisch inspiriertes Konzept der Erneuerung des Judentums in Gemeinschaft mit den Arabern. (Yvonne Al-Taie)

Erscheinungsjahr: 1937

Begriff: Autofiktion, autofiktional, Exil, Judentum, Reisebericht

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916): Maria Stuart in Schottland. Schauspiel in fünf Aufzügen

Historiendrama und Kontrafaktur von Maria Stuart (1800), die die Vorgeschichte von Friedrich Schillers Drama in Schottland entfaltet. Maria begegnet hier als junge, zunächst gerechte und beliebte Königin, die sich durch die Liebe zu James Hepburn, dem Mörder ihres Gemahls Heinrich Darnley, zur Tyrannin wandelt. Von Hepburn und ihrem Volk verlassen muss sie schließlich zu Elisabeth ins Exil nach England fliehen. (Felix Lempp)

Erscheinungsjahr: 1860

Begriff: Drama, Ehe, Exil, Gender, Geschichte, Geschlechterrollenkritik, Kontrafaktur, Liebe, Realismus

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