Identitätssuche

Kim de L’Horizon (*1992): Blutbuch

Der autofiktionale Roman handelt von der Suche einer non-binären Hauptfigur nach einer eigenen Geschichte und Identität, die sich inhaltlich in einer Beschäftigung mit Fragen der Herkunft (frauenbasierte Stammbäume, u.a. Hexen- und Baumchroniken, Bildungs(un)gerechtigkeit und emanzipatorisches Schreiben) und formal als fluider, mehrsprachiger ,Textkörper‘ manifestiert. (Natalie Moser)

Erscheinungsjahr: 2022

Begriff: Autofiktion, autofiktional, Bildung, Familienroman, Gegenwartsliteratur, Gender, Geschichte, Identitätssuche, Körper, Non-Binarität, Roman, Sexismus

Olivia Wenzel (*1985): 1000 Serpentinen Angst

Wenzels Debutroman handelt von einer Schwarzen ostdeutschen Mittdreißigerin, die sich von einem Zusammenbruch erholt. Sie blickt, oft mittels Selbstbefragung, auf ihr Leben – das Aufwachsen bei ihrer Großmutter in Thüringen, die Abwesenheit ihrer Eltern, Mikroaggressionen, den Suizid ihres Zwillingsbruders, gescheiterte Beziehungen… – und reflektiert dabei auch eigene Privilegien. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 2020

Begriff: Angststörung, Autofiktion, Bisexualität, Gegenwartsliteratur, Identitätssuche, Rassismus, Roman, Schwangerschaft, Schwarze deutsche Literatur, Sexismus

Unica Zürn (1916–1970): Dunkler Frühling

Roman um das erotische Erwachen eines Mädchens, der in den Nachkriegsjahren spielt. Auch nach der Heimkehr ist der Vater abwesend, die Mutter wendet sich fremden Männern zu und der Bruder vergewaltigt die namenlose Protagonistin, die sich – wie nur ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans die Autorin – aus dem Fenster stürzt, um ihr Leben zu beenden. Der Roman kreist um drastische und ernste Themen und kann als modernes Pendant zu Frühlings Erwachen (1891) gelesen werden. (Iris Schäfer)

Erscheinungsjahr: 1969

Begriff: Desillusionierung, Gewalt, Identitätssuche, Liebe, Roman, weibliche Adoleszenz

Luise Rinser (1911–2002): Daniela

Roman, 1953 erschienen; erzählt wird von der Lehrerin Daniela, die sich von ihrem Verlobten sowie ihren wohlhabenden Eltern abwendet und fernab in ein abgelegenes Moordorf versetzen lässt. Dort ist sie entsetzt von den Lebensbedingungen der Moorarbeiter:innen. Sie will insbesondere den Kindern helfen und erhält dabei schon bald Beistand von einem jungen Dorfpfarrer. (Laura Basten)

Erscheinungsjahr: 1953

Begriff: Adoleszenz, Arbeit, Desillusionierung, Identitätssuche, Liebe, Religion, Roman, weibliche Adoleszenz

Lou Andreas-Salomé (1861–1937): Menschenkinder

Die ihrem Ehemann gewidmete, 10 Novellen umfassende Sammlung fokussiert höchst individuelles weibliches Sozialisationsbemühen in der patriarchalen Gesellschaft des Fin de Siècle. Die häufig als Schauplatz gewählten Transiträume betonen effektvolle Aufeinandertreffen diametraler Ansichten – insbesondere zwischen weiblichen und männlichen Figuren – , aber auch die Flüchtigkeit gesellschaftlicher Diskurse wie jenem um die s. g. ‚Frauenfrage’. (Iris Schäfer)

Erscheinungsjahr: 1898

Begriff: Ehe, Emanzipation, Frauenrechtsbewegung, Identitätssuche, Liebe, Menschen, Novelle, Novellen, Novellensammlung, weibliche Adoleszenz

Minna Kautsky (geb. Jaich, 1837–1912): Helene

In diesem dreiteiligen Bildungsroman mit weiblicher Hauptfigur fokussiert Kautsky verschiedene zeitgenössische Diskurse wie jenen um die Frauenfrage bzw. das nervöse/ hysterische Geschlecht sowie den Klassenkampf. Helene wird jung und unaufgeklärt verheiratet, leidet unter der Ehe und am Tod des Kindes. „Gesund wird sie durch ihren Einsatz für bürgerliche Ideale. Herausgestellt wird die These, dass die gesellschaftliche Unterdrückung der bürgerlichen Frau zu nervlicher Schwäche führt. Das Proletariat wird als ,gesunder’ Gegenentwurf etabliert. (Iris Schäfer)

Erscheinungsjahr: 1894

Begriff: Bürgertum, Bildung, Bildungsroman, Ehe, Erschöpfung, Erwerbsarbeit, Frauenbildung, Frauenrechte, Identitätssuche, Krankheit, Mutterschaft, Politik, Roman, sexuelle Gewalt, Tod

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