Weiblichkeit

Irmgard Keun (1905–1982): Gilgi – eine von uns

Gilgi, an der exemplarisch weibliche Rollenschemata verhandelt werden, sucht (nachdem sie erfahren hat, dass sie adoptiert ist) nach ihrer leiblichen Mutter. Dabei verliebt sie sich, wird schwanger und geht schließlich nach Berlin. Als kanonischer Text der Neuen Sachlichkeit angeführt, wurden inzwischen auch die expressionistischen Darstellungsverfahren herausgearbeitet. (Katharina Klanke)

Erscheinungsjahr: 1931

Begriff: Arbeit, Debüt, expressionistisch, Mutterschaft, Neue Frau, Neue Sachlichkeit, Roman, Weiblichkeit, Weimarer Republik

Lou Andreas-Salomé (1861–1937): Fenitschka

Zentrum der Erzählung (vö. m. Eine Ausschweifung) bildet die intensive Bekanntschaft der studierten und verlobten Fenitschka Iwánownas mit dem Psychologieabsolventen Max Werner im Paris des Fin de Siècle. Entlang der Geschichte Fenias potenzieller Emanzipierung werden die an Weiblichkeit gerichteten sozialen Erwartungen und Hoffnungen zur Disposition gestellt. Der Erzählanlage legt Andreas-Salomé indes ein biologisch begründetes Verständnis von Heim, Gemeinschaft und Familie zugrunde. (Marius Reisener)

Erscheinungsjahr: 1898

Begriff: Emanzipation, Erzählung, Familie, Gericht, Geschichte, Weiblichkeit, Zuhause

Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848): Ledwina

Das posthum erschienene Prosafragment verhandelt Weiblichkeit, Tod und Krankheit, Poesie und Kreativität. Neben familiären Konversationsszenen stehen vor allem die gleichnamige moribunde, in Drostes Briefkommentaren als schwindsüchtig bezeichnete Protagonistin und ihre Visionen, Imaginationen und Träume im Fokus. Diese verweisen einerseits auf Bildwelten des Volksaberglaubens, andererseits rücken sie Ledwina in die Nähe zeitgenössisch populärer, ins literarische Gedächtnis eingegangene visionäre Kranke wie Anna Katharina Emmerick oder Friederike Hauffe. (Vanessa Höving)

Erscheinungsjahr: entstanden ab 1819

Begriff: Biedermeier, Brief, Ehe, Fragment, Imagination, Krankheit, Poesie, Posthum, Prosa, Tod, Weiblichkeit

Caroline Auguste Fischer (geb. Venturini, 1764–1842): Die Honigmonathe 

Der kryptonym veröffentlichte polyperspektivische Briefroman thematisiert die um 1800 üblichen Geschlechterbeziehungen kritisch: Zwei antagonistische Frauenfiguren werden durch zwei männliche Protagonisten ergänzt. Bemerkenswert ist das von Wilhelmine entworfene Lebensmodell einer Ehe auf Zeit. 2 Bände. (Carola Hilmes)

Erscheinungsjahr: 1802

Begriff: Brief, Briefroman, Ehe, Emanzipationsgeschichte, Empfindsamkeit, Geschlechterstereotypen, Konvenienzehe, Kryptonym, Männlichkeit, polyperspektivischer Briefroman, Roman, Weiblichkeit

Sophie von La Roche (1730–1807): Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Von einer Freundin derselben aus Original-Papieren und andern zuverlässigen Quellen gezogen

Polyperspektivischer Briefroman, der einen neuen Weiblichkeitstyp vorstellt. Unschuldig, tugendhaft, in Herz und Kopf gebildet, dabei innerhalb des engen Rahmens der weiblichen Geschlechterrolle autonom handelnd, kommt Sophie Sternheim vom idyllischen Land an den korrupten Hof, wo sie sich in Liebeshändel und Intrigen verstrickt. Einer Scheinehe entflohen widmet sie sich – in einem Entwurf einer matriarchalen Utopie in ländlicher Idylle – der Ausbildung armer Mädchen, bevor sie schließlich eine idealische Ehe eingeht. La Roches Debütroman entwirft ihre Idealvorstellung bürgerlicher Tugendethik, die ein zentrales Thema ihres Schreibens blieb. (Luisa Banki)

Erscheinungsjahr: 1771

Begriff: anonym, Aufklärung, Bildung, Brief, Briefroman, Debüt, Ehe, Empfindsamkeit, Frauenbildung, Geschichte, Idylle, Liebe, polyperspektivischer Briefroman, Roman, Utopie, Weiblichkeit

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