Rassismus

Claire Goll (1890–1977): Ein Mensch ertrinkt. 

Dieser Roman handelt von Marie, einem Hausmädchen einer vornehmen Pariser Familie. Marie hat ein Verhältnis mit dem Schwarzen Chauffeur einer Nachbarfamilie und bekommt ein Kind von ihm. Deshalb verliert sie ihre Stelle und da sie als uneheliche Mutter keine Arbeit mehr findet, verhungert das Kind. Claire Goll ist oft nur noch als Muse ihres Mannes Yvan Goll bekannt, war aber auch eine erfolgreiche Schriftstellerin. (Annette Kliewer)

 

Erscheinungsjahr: 1931

Begriff: Arbeit, Ehe, Familie, Hunger, Neue Sachlichkeit, Rassismus, Roman, Uneheliche Mutterschaft

Frieda von Bülow (1858–1909): Die stilisierte Frau. Sie und er.

Frieda von Bülow, Freundin Lou Andreas-Salomés, war die erste Schriftstellerin, die Kolonialromane für Frauen schrieb: Sie war selbst mehrmals in ‚Deutsch-Südwestafrika‘ und greift in „Tropenkoller“ diese Erfahrungen auf. Weit entfernt von weiblicher Solidarität mit den Frauen der Kolonisierten preist sie die Entfaltungsmöglichkeiten, die Frauen der Bürgerschicht in den Kolonien haben. Damit zeigt sie auf, welche Rolle die Mittäterschaft von Frauen im kolonialen Kontext spielen kann. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1896

Begriff: Afrika, bürgerliche Frauenbewegung, Kolonialismus, Rassismus, Realismus, Roman

Sharon Dodua Otoo (*1972): Adas Raum

Roman, der vier Ada-Figuren aus dem vorkolonialen Ghana, aus London im 19. Jahrhundert (mit der historischen Figur Ada Lovelace), dem KZ Mittel-Bau Dora sowie dem gegenwärtigen Berlin in „Schleifen” miteinander verbindet. Ein sprechendes Wesen (einmal Besen, Türknauf oder Pass) sorgt für Kontinuität und Bruch zugleich. Im Zentrum stehen Ausbeutung, historisches Erbe, Tod und mit einer angekündigten Geburt: die Zukunft. (Martina Wernli)

Erscheinungsjahr: 2021

Begriff: Geburt, Hunger, Kolonialismus, KZ, Mathematik, Nationalsozialismus, Rassismus, Roman, Tod

Olivia Wenzel (*1985): 1000 Serpentinen Angst

Wenzels Debutroman handelt von einer Schwarzen ostdeutschen Mittdreißigerin, die sich von einem Zusammenbruch erholt. Sie blickt, oft mittels Selbstbefragung, auf ihr Leben – das Aufwachsen bei ihrer Großmutter in Thüringen, die Abwesenheit ihrer Eltern, Mikroaggressionen, den Suizid ihres Zwillingsbruders, gescheiterte Beziehungen… – und reflektiert dabei auch eigene Privilegien. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 2020

Begriff: Angststörung, Autofiktion, Bisexualität, Gegenwartsliteratur, Identitätssuche, Rassismus, Roman, Schwangerschaft, Schwarze deutsche Literatur, Sexismus

Dorothee Elmiger (*1985): Aus der Zuckerfabrik

Der essayistische Text thematisiert anhand von biografischen Szenen Herkunft, insbesondere Rassismus, Klassismus und Sexismus. Reflexionen über die Konvergenz von ge- und erfundenen Stoffen und von theoretischen und literarischen Aufzeichnungen sowie über subjektzentriertes Erzählen geben den Rhythmus des nicht plotorientierten, episodischen Textes über „Zucker, LOTTO, Übersee“ vor. (Natalie Moser)

Erscheinungsjahr: 2020

Begriff: Essay, Gegenwartsliteratur, Gender, Kolonialismus, Rassismus, Sexismus

Theodor Michael (1925–2019): Deutsch sein und Schwarz dazu. Erinnerungen eines Afro-Deutschen

Michael, der 1925 in Berlin geboren wurde, schildert in diesem Memoir seine Geschichte als Sohn eines Kameruner „Kolonialmigranten” und einer weißen Mutter. Als Kind wurde er als Teil einer “Völkerschau” im Zirkus ausgestellt. Ab 1934 wuchs er als Waise bei Pflegeeltern auf, durfte aus rassistischen Gründen keine Ausbildung machen und wurde 1943 in einem Arbeitslager interniert. In der Nachkriegszeit arbeitete Michael als Fachmann für afrikanische Fragen. (Martina Wernli)

Erscheinungsjahr: 2013

Begriff: Afrika, Arbeit, Bildung, Geschichte, Internierung, Kolonialismus, Nachkriegszeit, Rassismus, Völkerschau, Zirkus

Ika Hügel-Marshall (1947–2022): Daheim unterwegs. Ein deutsches Leben

Hügel-Marshall, 1947 in einer bayrischen Kleinstadt geboren, schildert in ihrer Autobiografie ihre Geschichte als Tochter eines afroamerikanischen Soldaten und einer weißen Mutter. Als sogenanntes Besatzungskind wuchs sie teilweise in einem Heim auf, wo sie physisch und psychisch misshandelt wurde. Erst mit Ende 30 lernte sie andere Afrodeutsche kennen und mit 46 Jahren ihren Vater. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 1998

Begriff: Autobiografie, Geschichte, Rassismus, Schwarze deutsche Literatur

May Ayim (1960–1996): blues in schwarz weiss. nachtgesang. gedichte

Die Gedichtbände versammeln das dichterische Oeuvre May Ayims, einer der wichtigsten afrodeutschen Lyrikerinnen. Viele der zwischen 1978 und 1996 verfassten Gedichte behandeln die (Re)Produktion von Unterdrückung, Rassismus und Ausgrenzung und halten der weißen Gesellschaft einen Spiegel vor. 2023 feierte das auf Texten Ayims basierende Theaterstück blues in schwarz weiss Premiere. (Sandra Folie)

Erscheinungsjahr: 1995/1997/2021

Begriff: Lyrik, Rassismus, Theater

Gisela Elsner (1937–1992): Fliegeralarm

Elsners satirisch-grotesker Roman handelt von einer Gruppe von Kindern während des Zweiten Weltkriegs, die die nationalsozialistische Ideologie in teilweise grausamen Spielen aufgreifen. Der Roman verbindet die Thematik der Bombenangriffe auf deutsche Städte mit einem radikal-kritischen Fokus auf die ideologische Verfasstheit der Mehrheit der Bevölkerung. Er steht quer zu Tendenzen eines einseitigen Opfernarrativs im Gedächtnis an den Bombenkrieg in Deutschland und verknüpft die Darstellung von Militarismus, Führerkult, Rassismus und Antisemitismus mit kapitalismuskritischen Elementen. (Kathrin Schödel)

Erscheinungsjahr: 1989

Begriff: 2. Weltkrieg, Antisemitismus, Groteske, Kapitalismuskritik, Nationalsozialismus, Rassismus, Roman, Satire

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