1899

Klara Viebig (1860–1952): Es lebe die Kunst!

Elisabeth Reinharz kommt vom Land nach Berlin und findet dort zunächst Erfolg. Als sie aber einen biederen Buchhalter heiratet, versagt sie und zweifelt selbst an ihrem Können. Sie erstarrt und entdeckt ihre Gefühle erst, als ihr Kind erkrankt, das sie fast der Kunst geopfert hätte. Völlige Gesundung erlangt sie erst wieder, als sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Der Roman stellt die Doppelrolle der Frau zwischen Haushalt/Kindererziehung und Beruf/Kunst eindrücklich dar, kommt aber zu einer konservativen Bewertung der eigenen Tätigkeit der Autorin. (Annette Kliewer) 

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Alter, Beruf, Berufstätigkeit der Frau, Erziehung, Heimat, Heimatliteratur, Kritik an der Stadt, Kunst, Mutterschaft, Roman

Ilse Frapan (1849–1908): Wir Frauen haben kein Vaterland. Monologe einer Fledermaus. 

In dieser Erzählung geht die Rechtsstudentin Lilie Halmschlag aus einer reichen Hamburger Familie nach Zürich, weil sie nur dort Jura studieren kann. Sie möchte Anwältin für Frauen werden. Mehr und mehr leidet sie aber unter Geldsorgen, nachdem ihre Stiefmutter sie nicht mehr von ihrem Haushaltsgeld finanzieren kann. Schließlich beendet Lilie das Studium und geht in der Fabrik arbeiten. Frapan zeigt, welche Probleme die ersten Studentinnen antrieben: Finanzielle Nöte, Ablehnung durch die Familie und die Gesellschaft, Selbstzweifel waren meist stärker als die Aufbruchsfantasien. (Annette Kliewer)

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Arbeit, Beruf, Erzählung, Familie, Frauenstudium, Geld, Naturalismus, Studium

Helene Böhlau (verh. al Raschid Bey, 1856–1940): Halbtier!

Der Emanzipationsroman schildert die Versuche der Protagonistin nach Selbstbestimmung als Frau und Künstlerin und rechnet mit patriarchalen Geschlechterverhältnissen ab. Zentral ist die Darstellung von gewaltvollen Familienstrukturen, die vor allem anhand der Figuren der Schwester und der Mutter vorgeführt werden. Teile des Manuskripts mussten aufgrund der Drastik der Schilderungen von u.a. Geburt auf Wunsch des Verlegers gestrichen werden. (Marcella Fassio)

Erscheinungsjahr: 1899

Begriff: Emanzipation, Familie, Geburt, Gewalt, Künstlertum, Mutterschaft, Naturalismus, Roman, Selbstbestimmung, sexuelle Gewalt

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