Liebe

Adele Schopenhauer (1797–1849): Eine dänische Geschichte

In den sumpfigen Regionen Dänemarks, die trotz Reformen und Echos der Französischen Revolution unverändert blieben, versucht die Aristokratin Helene sich von der patriarchalischen Kontrolle ihres Bruders zu befreien, um den liberalen und mittellosen Maler Thorald zu heiraten. Eine höhere weibliche Autorität ermöglicht das Glück der Liebenden und hebt die Macht des Bruders in diesem Fall auf. Der Roman zeichnet sich aus durch feine Charakterisierungen und stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen. (Francesca Fabbri)

Erscheinungsjahr: 1848

Begriff: Dänische Geschichte, Emanzipation, Familie, Französisch, Geschichte, Gesellschaftliche Normen, Liebe, Nordische Landschaften, Reformen, Revolution, Roman

Fanny Lewald (1811–1889): Jenny

Im Zentrum des autobiografisch fundierten Romans steht die Frage einer dreifachen Emanzipation: der Frauen, der Juden und einer umfassenden sozialpolitischen Gleichstellung. Die titelgebende, jüdische Zentralfigur lässt sich für ihren ersten Verlobten taufen, entscheidet sich dann aber gegen eine Liebe, die den Glauben an christliche Dogmen von ihr verlangt. Sie erprobt einen alternativen Lebensentwurf als eigenständige Frau und sieht Jahre später in einer Verbindung mit einem liberalen Adligen die Chance, ihre Vorstellung einer gleichberechtigten Ehe zu verwirklichen. Die entworfene doppelte Utopie – der Gleichberechtigung von christlichen und jüdischen Bürger:innen und von Männern und Frauen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen –, weist das tragische Ende des Romans als (noch) nicht realistisch aus. (Luisa Banki)

Erscheinungsjahr: 1843

Begriff: Alter, Antisemitismus, Ehe, Emanzipation, Familie, Frauenbildung, Geschlechterrollenkritik, Judentum, Liebe, realistisch, Religion, Roman, Utopie, Vormärz

Gertrudis Gómez de Avellaneda (1814–1873): Sab

Sab, ein Schwarzer Sklave auf Kuba, ist unglücklich in Carlota, die Tochter seines Herrn verliebt. Diese ist dem egoistischen und materialistischen Enrique versprochen und heiratet diesen schließlich, ohne von Sabs aufrichtiger Liebe zu erfahren. Im Roman ist bezeichnenderweise Sab der eindeutige Sympathieträger, der mit Intelligenz und Empfindsamkeit dem gefühlskalten und kurzsichtigen Enrique gegenübersteht. Neben der eindeutigen Kritik an Sklaverei, aufgrund derer der Roman lange Zeit in Kuba auf dem Index stand, enthält der Text explizit feministische Äußerungen, was ihn auch in der heutigen Zeit zu einer lesenswerten Lektüre macht. (Greta Lansen)

Erscheinungsjahr: 1841

Begriff: Abolitionismus, Emanzipation, Empfindsamkeit, Liebe, Rassismus, Roman, Sentimentalität, Sklaverei, Spanisch

Johanna Schopenhauer (1766–1838): Der Schnee

Die lange Erzählung lässt zwei Paare in den Unruhen der polnischen und italienischen Revolten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts agieren. Genau wie in Goethes Wahlverwandtschaften stehen sie zwischen Natur und Pflicht, Leidenschaft und Selbstopferung – aber in diesem höchst malerischen (und oft autobiografischen) Text sollen die biedermeierlichen Tugenden von Ordnung und Harmonie in einem versöhnlichen von Vernunft und Milde getragenen Familienglück siegen. Das liebende Paar findet den Tod im Montblanc-Gletscher: In der weißen Umhüllung der edlen, aber gesellschaftlich verbotenen, Gefühle liegt die Ruhe und das Glück. (Francesca Fabbri)

Erscheinungsjahr: 1829

Begriff: autobiografisch, Biedermeier, Ehe, Erzählung, Familie, Liebe, Tod

Caroline Auguste Fischer (geb. Venturini, 1764–1842): William der N.

Die Liebe eines Schwarzen zur Protagonistin der in Großbritannien angesiedelten Erzählung, Molly, wird hier strukturell in ein Spannungsverhältnis zum Abolitionismus einerseits und zur Haitianischen Revolution andererseits gesetzt: Ein europäischer Bildungsprozess ermöglicht William in eurozentrischer Diktion, sich an die Spitze der Haitianischen Revolution (die hinsichtlich ihrer konkreten Abläufe allerdings eine black box bleibt) zu setzen – doch um den Preis, der Realisierung seiner Liebe zur weißen Molly ‚freiwillig’ zu entsagen. Deutliche Sklavereikritik verbindet sich dabei mit einer Affirmation des Tabus sexueller Beziehungen zwischen Schwarzen Männern und weißen Frauen. (Florian Kappeler) (Anmerkung: Im Titel des Textes ist das N-Wort ausgeschrieben).

Erscheinungsjahr: 1817 (Zeitschriftenversion; in Novellensammlung 1818)

Begriff: Abolitionismus, Bildung, Erzählung, Haitianische Revolution, Liebe, rassistisches Sexualtabu, Revolution, Sklaverei

Regina Frohberg (geb. Rebecca Salomon, verheiratete Friedländer, später Saaling, 1783–1850): Schmerz der Liebe

Der Titel dieses ungewöhnlichen, sentimentalen Romans ist insofern wörtlich zu verstehen, als dass der Knotenpunkt der Erzählung die Vergewaltigung einer bewusstlosen jungen Frau ist. Der Roman zeichnet das tragische Schicksal der Protagonistinnen und des Protagonisten nach, die sich am Widerstreit zwischen Verlangen, Konvention und dem alles beherrschenden Wunsch nach Liebe aufreiben. (Greta Lansen)

Erscheinungsjahr: 1810

Begriff: Ehe, Erzählung, Geschlechterrollenkritik, Gewalt, Liebe, Roman, sentimentaler Roman, sexuelle Gewalt, Vergewaltigung

Sophie Mereau (geb. Schubart, wiederverheiratete Brentano; 1770–1806): Amanda und Eduard

Der polyphone Briefroman entwirft für die Epoche nonkonformistische Lebensentwürfe. Die zwangsverheiratete Titelheldin sehnt sich nach wahrer Liebe und zögert nicht, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Gender-kulturelle Stereotype werden oberflächlich reproduziert, um kritisch hinterfragt zu werden. (Greta Lansen)

Erscheinungsjahr: 1803

Begriff: Brief, Briefroman, Gender, Geschlechterrollenkritik, Liebe, Roman, Stereotype

Sophie Mereau (geb. Schubart, wiederverheiratete Brentano, 1770–1806): Das Blütenalter der Empfindung

Der kurze Roman mit männlich-autodiegetischer Erzählinstanz wirft auf engem Raum große Themen auf: Freiheit, Naturempfinden, die Unsagbarkeit der Liebe, die Selbstbestimmung der Frau. Die Erzählung ist im Kontext der Französischen Revolution verortet und greift europäische Stereotype sowie den Topos der Auswanderung nach Amerika auf. Die Erzählung vereint Elemente des klassischen Bildungsromans mit weiblich-emanzipatorischen Anklängen, denn die sentimentale Heldin verlangt gleiche Rechte mit dem Mann, den sie liebt. (Greta Lansen)

Erscheinungsjahr: 1794

Begriff: Alter, Bildung, Bildungsroman, Emanzipation, Erzählung, Französisch, Freiheit, Liebe, Revolution, Roman, Selbstbestimmung, Stereotype, Sturm und Drang, Tod

Elisabeth von Nassau-Saarbrücken (?) (1394/1398–1456): Herzog Herpin, Königin Sibille, Loher und Maller, Huge Scheppel

Während der Regentschaft Elisabeths von Nassau-Saarbrücken entstehen vier aus französischen Chanson de geste-Vorlagen übersetzte Prosaepen. Elisabeths Beteiligung als Übersetzerin ist in der Forschung umstritten. Inhaltlich geht es um Verrat, Liebe, Familie, Freundschaft und Religion. Den gemeinsamen Bezugspunkt bildet die (meist familiäre) Beziehung der Protagonist:innen zu Karl dem Großen. (Anika Meißner)

Erscheinungsjahr: um 1430/1435

Begriff: Übersetzung, Chanson de geste, Ehe, Familie, Französisch, Kampf gegen Andersgläubige, Liebe, Prosa, Prosaepos, Religion

Sophie von La Roche (1730–1807): Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Von einer Freundin derselben aus Original-Papieren und andern zuverlässigen Quellen gezogen

Polyperspektivischer Briefroman, der einen neuen Weiblichkeitstyp vorstellt. Unschuldig, tugendhaft, in Herz und Kopf gebildet, dabei innerhalb des engen Rahmens der weiblichen Geschlechterrolle autonom handelnd, kommt Sophie Sternheim vom idyllischen Land an den korrupten Hof, wo sie sich in Liebeshändel und Intrigen verstrickt. Einer Scheinehe entflohen widmet sie sich – in einem Entwurf einer matriarchalen Utopie in ländlicher Idylle – der Ausbildung armer Mädchen, bevor sie schließlich eine idealische Ehe eingeht. La Roches Debütroman entwirft ihre Idealvorstellung bürgerlicher Tugendethik, die ein zentrales Thema ihres Schreibens blieb. (Luisa Banki)

Erscheinungsjahr: 1771

Begriff: anonym, Aufklärung, Bildung, Brief, Briefroman, Debüt, Ehe, Empfindsamkeit, Frauenbildung, Geschichte, Idylle, Liebe, polyperspektivischer Briefroman, Roman, Utopie, Weiblichkeit

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